Abtauen ist eine dieser Aufgaben, die man immer wieder vor sich herschiebt. Die Eisschicht wächst, man denkt sich, das hat noch Zeit – und irgendwann ist das Gefrierfach zur Hälfte mit Eis gefüllt und die Tür geht kaum noch richtig zu. Dann muss es eben sein.
Das Gute: Wenn man es einmal richtig macht, geht es schneller als die meisten erwarten. Und man vermeidet dabei Fehler, die das Gerät beschädigen oder den Prozess unnötig in die Länge ziehen.
Wann muss man überhaupt abtauen?
Bei Kühlschränken ohne No-Frost-Funktion ist manuelles Abtauen regelmäßig notwendig. Als Faustregel gilt: Sobald die Eisschicht im Gefrierfach oder an der Rückwand des Kühlfachs etwa einen halben bis einen Zentimeter dick ist, wird es Zeit. Wer wartet, bis das Eis zentimeterdick ist, macht die Sache nur aufwendiger.
Geräte mit Abtauautomatik oder No-Frost brauchen in der Regel kein manuelles Abtauen. Wenn dort trotzdem Eis auftritt, liegt ein Problem vor – und nicht einfach ein verpasster Abtautermin.
Vorbereitung: Was man braucht
Nicht viel. Einige alte Handtücher oder Küchentücher für das Schmelzwasser, eine flache Schüssel oder ein Tablett für den Boden, und bei Bedarf einen Schwamm. Scharfe Metallgegenstände oder Messer zum Kratzen braucht man nicht – die beschädigen die Innenwände und sind beim Abtauen kontraproduktiv.
Wenn das Gefrierfach stark vereist ist, kann ein separates Gefäß für Eis oder Tiefkühlkost sinnvoll sein, damit die Lebensmittel während des Abtauens kühl bleiben.
Der Ablauf
Schritt 1: Kühlschrank ausschalten und ausräumen.
Stecker ziehen oder den Temperaturregler auf die Aus-Position stellen. Alle Lebensmittel herausnehmen. Kühlgut kurzzeitig in einer Kühltasche oder einem kühlen Raum lagern – das hält problemlos ein bis zwei Stunden.
Schritt 2: Tür offen lassen, Schmelzwasser auffangen.
Tür oder Schublade des Gefrierfachs offen lassen und Handtücher am Boden ausbreiten. Das Schmelzwasser läuft nach unten – ohne Vorkehrung landet es auf dem Küchenboden. Eine flache Schüssel direkt unter dem Gefrierfach hilft zusätzlich.
Schritt 3: Warten – ohne Eingreifen.
Das ist der Teil, den viele ungeduldig überspringen. Aber: Das Eis taut am sichersten und schnellsten von alleine, wenn die Umgebungstemperatur im Zimmer herrscht. Eine Schüssel mit heißem Wasser ins Gefrierfach stellen beschleunigt den Vorgang durch den Dampf – das ist erlaubt und funktioniert gut. Was nicht erlaubt ist: mit Messern, Schraubenziehern oder scharfen Gegenständen kratzen, oder heißes Wasser direkt auf die Eisschicht gießen.
Schritt 4: Eis lösen und Innenraum trocknen.
Wenn das Eis weich genug ist, lösen sich die Stücke von selbst oder lassen sich mit einem Kunststoffschaber oder den Händen leicht abnehmen. Danach Innenraum mit einem trockenen Tuch gründlich abwischen – auch die Rückwand und den Ablaufbereich.
Schritt 5: Ablauf prüfen und Gerät wieder einschalten.
Bevor der Kühlschrank wieder eingesteckt wird: kurz das Ablaufloch hinten im Innenraum kontrollieren. Ist es frei? Wenn nein, jetzt ist der richtige Moment für eine Ablaufreinigung. Dann Kühlschrank einschalten, auf die gewünschte Temperatur stellen und etwa eine Stunde warten, bevor die Lebensmittel wieder eingeräumt werden.
Wie lange dauert das Abtauen?
Bei dünner Reifschicht: 30 bis 60 Minuten. Bei dickerer Eisschicht von zwei bis drei Zentimetern: ein bis zwei Stunden. Bei sehr starker Vereisung auch länger. Mit einem Behälter heißem Wasser im Innenraum lässt sich die Zeit spürbar verkürzen.
Was man beim nächsten Mal besser macht
Das Abtauen selbst ist unkompliziert. Was es langfristig seltener nötig macht: die Ursachen der Vereisung kennen und abstellen. Eine gut schließende Dichtung, kein warmes Essen direkt in den Kühlschrank, sauberer Ablauf, richtige Temperatureinstellung – das verlängert das Intervall zwischen zwei Abtauaktionen deutlich. Wer das alles im Griff hat, muss vielleicht nur einmal im Jahr ran. Wer es nicht im Griff hat, taut alle paar Wochen ab – und das ist ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt.
Wenn der Kühlschrank nach dem Abtauen nicht mehr anläuft, ist das übrigens kein Grund zur Panik – das passiert gelegentlich und hat meist eine einfache Erklärung.
